Ovalforum in Jerash
Blick auf das Ovalforum, ein herausragendes Beispiel römischer Stadtplanung in Jerash.
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Zentraler Platz in Gerasa
04/2023 Die historische Stätte Jerash, das antike Gerasa, ist ein archäologisches Juwel, dessen gut erhaltene Ruinen einen der besten Einblicke in eine römische Provinzstadt außerhalb Italiens bieten. Der Ort zeugt von einer bemerkenswerten architektonischen Eleganz und städtischen Organisation, die sich im Herzen der Anlage in zwei herausragenden Merkmalen manifestieren: dem Ovalforum und dem Cardo Maximus. Diese beiden miteinander verbundenen Bauwerke bildeten das pulsierende Zentrum des öffentlichen Lebens im alten Gerasa.
Das Ovalforum ist ein prächtiger, gepflasterter Platz mit einer einzigartigen elliptischen Form, die es von den typischerweise rechteckigen Foren im römischen Reich unterscheidet. Er misst etwa 90 Meter in der Länge und 80 Meter in der Breite. Der Platz wird von einer eleganten Kolonnade aus ionischen Säulen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. umgeben, die ein ununterbrochenes Architrav tragen.
Die Gestaltung des Ovalforums war nicht statisch, sondern passte sich im Laufe der Jahrhunderte an. Ursprünglich befand sich in der Mitte eine rechteckige Struktur, die wahrscheinlich eine römische Statue stützte. In einer späteren Epoche wurde sie in einen Brunnen umgewandelt. Dieses Phänomen, bei dem antike städtische Räume von nachfolgenden Zivilisationen und Kulturen umgestaltet wurden, verdeutlicht, dass die Stadt Jerash nicht nur ein in Stein gehauenes Zeugnis einer einzigen Epoche war, sondern ein dynamischer Ort des kontinuierlichen Wandels. In der jüngsten Vergangenheit wurde in der Mitte des Platzes eine zentrale Säule errichtet, um die Jerash-Festivallampe zu tragen , was die Verbindung des historischen Platzes zur heutigen Kultur wiederbelebt.
Der Platz diente als zentraler Ort für kommerzielle und öffentliche Angelegenheiten, einschließlich Siegesprozessionen, Wahlen, öffentlichen Reden und Gerichtsverhandlungen, gelegentlich sogar für Gladiatorenkämpfe. Seine einzigartige Form und die prächtige Säulenreihe verliehen ihm eine eigene visuelle Identität. Dies deutet darauf hin, dass die Architekten von Gerasa nicht einfach eine Vorlage aus dem römischen Kernland kopierten, sondern eine Provinzstadt mit einem hohen Maß an architektonischer Raffinesse und einem eigenen ästhetischen Verständnis schufen.
